Hornauer Laienspielgruppe Kelkheim-Hornau
Pressestimmen Frankfurter Rundschau, Donnerstag, 13. November 2003 Jedem Dibbsche sei Deckelsche Hornauer Laienspielgruppe gönnt sich zum 25-jährigen Bestehen einen richtigen "Gasse-Feeschä" Der Vorverkauf hatte gerade begonnen, da waren fast alle Karten verkauft für das neue Stück der Hornauer Laienspielgruppe. Am Freitag, 14. Novem- ber, bringt sie “en rischdische Feeschä" auf die Bühne. Wem Hessisch wie Chinesisch klingt, der sollte sich eine dialektfeste Begleitung mitbringen. KELKHEIM."De Heinrich un die Agaade sin zesamme uffgewachse", flötet Frau Schnippel (Daniela Crass) ihrem Kompagnon Herrn Muffel (Marcus Becker) ins Ohr. "Die Zwaa habbe sich immer guud verstanne un manschma aach geklobbt." Zufrieden nickt Herr Muffel ihr zu: "Was fehlt dann da zu ner glücklisch Eh'?" Für die beiden ist der Käs' gegesse, wie der Hesse sagt. Ihre Kinder, Heinrich und Agathe, sollen verheiratet werden. Doch wie es sich für ein anständiges Lustspiel gehört, haben die jungen Leute ganz andere Flausen im Kopf. Und das gibt "große Ärscher". Zum Schluss bekommt doch jedes Dibbsche sei Deckelsche, verrät schmunzelnd Regisseur Otto Singer bei der letzten Hauptprobe im Hornauer Pfarrheim St. Martin. Und der damalige Standesdünkel werde dabei gehörig karikiert. Gespannt schielt er hinüber zu den Umbauarbeiten auf der Bühne. "Das muss noch ein bisschen schneller gehen", kommentiert er leise. Wie immer direkt vor einer Premiere herrsche das große Zittern. Viel Zeit sei bei dieser Inszenierung für das Bühnenbild draufgegangen, denn die meisten Möbel seien selbst gezimmert. Außerdem seien: noch nie so viele Requisiten im Spiel gewesen. "Es war gar nicht so leicht, die alle zu beschaffen. Denn das Stück spielt 1860." Da die Gruppe zu einer gewissen "Detailverliebtheit" neige, sei es gelungen, die Ausstattung überwiegend stilecht zusammenzutragen. Auch nach 25 Jahren Theaterarbeit lasse das Lampenfieber nicht nach, erzählt der 55- jährige Kelkheimer, der zusammen mit seiner Frau und ein paar Kumpels vor einem Vierteljahrhundert die Theatergruppe gegründet hat. Zum Jubiläum dieses Jahr erfüllt er sich einen kleinen Traum. Das Lustspiel "Alt Frankfurt" von Adolf Stoltze wollte er schon lange auf die Bühne bringen. Das Mundartstück sei bekannt durch Aufführungen im Frankfurter Volkstheater unter der Regie von Wolfgang Kaus. Dankbarerweise biete es so viele Rollen, dass zum Jubiläum alle Aktiven mal im Rampenlicht stehen, darunter sogar eine dreiköpfige Garde jüngs- ten Nachwuchses im Alter von sieben und acht Jahren. "Am Anfang gab es große Bedenken, weil das Stück auf Hessisch gespielt wird und die meisten den Dialekt nicht beherrschen." Doch als die Proben begannen, hat man sich regelmäßig "schepp" gelacht, und da waren sämtliche Zweifel schnell verflogen. "Schäme Se sich nett, so was übberhaupt leje zu losse." An diesem Satz, nämlich der Kritik an schlechten Hühnereiern, hatte Stefanie Graf-Wiederstein mit am meisten zu Knabbern, gesteht sie in einer Proben- pause. Ohne die liebevoll aufgenommenen Kassetten von Otto Singer hätte sie nie gelernt, das richtig auszusprechen. Damit auch ordentlich hessisch ”gebabbelt" wird, hatte der Regisseur jede Rolle einzeln auf Band gesprochen. "Diese Kassette lief dann immer auf der Fahrt hierher", erzählt Stefanie Graf-Wiederstein. Da war richtig Zeit zum Lernen: Sie kommt mit ihrem Mann Stefan aus der Nähe von Gießen zu den Proben nach Kelkheim. Die tolle Gemeinschaft sei das wert, urteilen beide, und auch ein solches Niveau bei einer Laiengruppe finde man so schnell nicht wieder. Doch zur Hochform laufen die Hobby-Darsteller offenbar immer erst auf, wenn es ernst wird. Otto Singer erinnert sich, wie oft ihm in seiner Zeit als Regisseur schon "die Haare zu Berge standen", weil bei der Generalprobe das Bühnenbild noch nicht fertig war. Irgendwie haben es der Heilige Geist und vor allem das Publikum bisher immer gerichtet, sagt er heiter. Wenn 225 Leute dicht gedrängelt vor der Bühne sitzen, spiele sich das Team um Kopf und Kragen. Die Vorverkaufszahlen sprechen für sich: Von insgesamt 1300 Karten für sechs Vorstellungen sind gerade noch 50 zu haben. Bianca Strauß (FR)
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